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Petra Reski, Palermo Connection (Gelesen: 3187 mal)
anse
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Bei Waldbrand Tel. 1515

Beiträge: 7656
Geschlecht: male
Petra Reski, Palermo Connection
05.10.2014 um 20:49:58
 
Eigentlich wollte ich diese fiktive Dokumentation von Petra Reski8 ganz schnell lesen, aber es kamen nicht vorhersehbare und auch nicht erwünschte Hindernisse dazwischen, so dass ich das Buch in Häppchen gelesen habe. Und auch einige so sonnige Herbsttage, so linde Nächte mit so viel Sternenhimmel, so dass die Lektüre langsam war, obwohl ich das gar nicht wollte.
Besser ist es einen ganzen Tag für die Lektüre zu nehmen, wenn Nebel, Kühle und Regen den vielstündigen Gang in den Garten, die Landschaft, das Straßencafe, den Biergarten … zur Erinnerung an die letzten sonnigen Wochen machen.

Vorweg: das Buch ist spannend, sehr lesbar und gut dokumentiert.
Ort des Geschehens ist überwiegend Palermo
Serena Vitale, der nome e cognome (Vor- und Nachname) sind Lebenshaltung der „Heldin“. Sie ist Staatsanwältin im Antimafiaprozess gegen einen Minister, hat nicht, gar nicht , teilweise oder sehr intensiv Unterstützung durch Kollegen, Vorgesetzte, Mitarbeiter, Mafiaaussteiger. Wird Zielscheibe nicht nur der Mafia, sondern auch der Bürgerlichkeit in den Medien und der Politikerklasse.
Privates gibt es auch wie blondierte Haare, Besuche bei der sehr frommen Mutter, der sie ihren richtigen Vornamen Crocefissa verdankt, Erotik im Ausnahmezustand, auch wenn das immer weniger wird, nachdem Serena wenn auch löchrigen Personenschutz bekommt. Gefährliches Wohnen an  der Piazza San Francesco mitten in der Mitte des alten Palermo, das zu einem guten Teil aus Ruinen der Luftangriffe von 1943 und der Bauspekulationen der Ehrenwerten in den letzten 60 Jahren besteht. Die tägliche Angst, wen ihr Auto eher rechts als links von einem Motorino überholt wird.

Der zweite Protagonist ist Enthüllungs- und Aufklärungsjournalist eines auflagenstarken Magazins in D., der seine Geschichte machen möchte über Serena, den Prozess und Besuch bei einem authentischen Boss, wobei ihn mangels Sprachkenntnissen ein Fotograf mit italienisch-deutscher Biografie unterstützt, der sich zudem im Leben von Bossen und der kulturellen Verankerung der Werte der Mafia im Leben der Sizilianer bestens auskennt. Ebenfalls eine fiktive Person, aber wer könnte da nicht an einen Sammler und erfolgreichen Herausgeber von Volkskultur im benachbarten Calabrien, der auf CD brennt, was man auf den Wochenmärkten und den Busstationen als Kassette bekam, zum Teil noch bekommt, nach sehr traditioneller Volksmusik klingt, so lange man die Text nur hört, aber nicht versteht.

In der Vergangenheit haben die Bücher von Petra Reski nicht nur Zustimmung gefunden.

Namentlich genannte oder auch nur andeutungsweise genannte haben ein Heer von Advokaten der teuren Art aufgeboten und Schwärzungen oder Textkürzungen in den deutschen Ausgaben erzwungen.
!! Wer alles lesen möchte, ganz rasch in die Buchhandlung gehen!!

Petra Reski, Palermo Connection, 2014, 287 S., Hoffmann und Campe, 20 Euro



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