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Baedeker Italien Norden - etwas eigenartig, nicht ganz vollständig (Gelesen: 4103 mal)
mosaico
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Das Salz des Reisens sind
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Neumarkt am Wallersee
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Baedeker Italien Norden - etwas eigenartig, nicht ganz vollständig
16.02.2014 um 16:52:03
 
Italien Norden, erschienen im Verlag Karl Baedeker, 7. Auflage 2013, ISBN 978-3-8297-1391-7

Etwas unübersichtlich, ungleichgewichtige Infoverteilung, manch wichtige Orte fehlen überhaupt

Natürlich ist es schwierig, elf von 20 italienischen Regionen in einem Reiseführer zu beschreiben. Aber für mich gibt es da nur zwei Lösungen: entweder beschreibe ich dann jede Region in gleicher Art und im Ausmaß (im Verhältnis zu Größe und Bedeutung) oder ich muss eben nicht nur einen Italien Norden und einen Italien Süden schreiben, sondern auch noch einen Italien Mitte. Ich verstehe natürlich auch, dass Führer, die große Gebiete beschreiben, immer nur eine gewisse Übersicht geben können. Werden aber Mantua auf neun Seiten, die in meinen Augen gleichwichtigen Städte Parma auf drei,  Urbino gar nur auf zwei Seiten beschrieben, ist meines Erachtens ein Ungleichgewicht vorhanden.

Jedenfalls ist meine Meinung über diesen Führer zwiegespalten. Aufklappbare Aufrisszeichnungen, wie zum Beispiel von der Kirche Sant’Apollinare in Classe in Ravenna, zeigen dem Leser sehr anschaulich besondere Sehenswürdigkeiten. Kleine, aber durchaus brauchbare Innenstadtpläne helfen bei der Orientierung von Ortsfremden. Ich finde auch, dass der Führer viele Sehenswürdigkeiten oder interessante Orte zumindest erwähnt, wenn auch nicht immer beschreibt.

Aber es gibt einige Dinge, die ich eigentlich in einem Baedeker nicht erwartet hätte. Rom zählt eindeutig nicht mehr zum Norden Italiens, was auch die Karte in Innenseite der Rückseite eindeutig zeigt. Trotzdem sind Rom alleine 45 Seiten der insgesamt knapp über 600, sind Rom gewidmet. Die Region, die Rom umgibt, Latium, wird hingegen gar nicht erwähnt (wieso auch, zählt sie doch zu den südlichen Regionen Italiens). Die Region Marken wird als ein eigenes Kapitel auf nur zehn Seiten beschrieben. Hingegen muss man sich bei allen anderen Regionen die einzelnen Orte zusammensuchen, weil diese alphabetisch über das ganze Buch verteilt sind und sie nicht wie bei den Marken zusammenhängend jeweils als Region zu finden sind (Beispiel: auf Padua folgt Parma).

Bei den Euganeischen Hügeln wird als einzige Sehenswürdigkeit die Abtei von Praglia erwähnt, Arqua Petrarca hingegen gar nicht erwähnt. Der Ort Montagnana dafür schon, der gar nicht mehr in diesem Gebiet liegt. Dafür gibt es für diesen Ort einen besonderen Restaurant- und Übernachtungstipp. Sicher kein schlechtes Hotel, aber dass es extra in einem Kasten erwähnt werden muss, finde ich im Vergleich zu dem sonst eher mageren Angebot an Hotel- und Restauranttipps etwas auffallend. Manchmal fehlen wichtige Hinweise, wie beispielsweise bei Orvieto, dass die Stadt für Autos gesperrt ist und man mit einer Standseilbahn hinauf in die Altstadt fahren.

Die Straßenkarte ist gut gemeint und für die großen Entfernungen, sprich Autobahnen, gut zu verwenden. Will ich etwa eine Reise durch die Toskana oder die Emilia Romagna damit machen, wird es schon schwierig mit diesem Maßstab (1:900 000).
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eigentlich heiß' ich Peter - aber da gibt's schon einen mit dem Namen in dem Forum...
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Claudio
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Beiträge: 13558
Geschlecht: male
Re: Baedeker Italien Norden - etwas eigenartig, nicht ganz vollständig
Antwort #1 - 16.02.2014 um 18:42:02
 
Ein ausführliche Rezension, danke lieber Peter.  Smiley

Jetzt hat es mich doch interessiert, wie die Baedekers im Laufe der Jahrzehnte ihre Prioritäten veränderten. Ich bin stolzer Besitzer eines "Baedeker´s Oberitalien - Handbuch für Reisende", Erscheinungsdatum 1906, 603 Seiten, und habe ein wenig verglichen.

Rom gehörte damals richtigerweise noch nicht zum Norden, ist deshalb wie das gesamte Latium nicht beschrieben.

Auch die kompletten Marken sucht man vergeblich, sie "existierten" damals für den Reisenden anscheinend noch nicht, also wird auch Urbino nicht erwähnt.

Parma war viel wichtiger als heute, wird es doch auf acht engbeschriebenen Seiten (mit Stadtplan) behandelt, Mantua fast gleichwertig auf sieben.

Die Aufteilung der Kapitel nach Regionen ist logisch und die Orte sind nach geografischen Gesichtspunkten angeordnet.

Insgesamt könnte man das Buch bestimmt heute noch gut verwenden, auch wenn die reisepraktischen Tipps zu "Gasthöfen", "Speisehäusern", "Dampftrambahnen" usw. wahrscheinlich nur noch eingeschränkte Gültigkeit haben.  Zwinkernd
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Man mag so alt, so gelehrt, so weise und so geschmackvoll sein als man will - eine Reise nach Italien gibt immer noch dem Geist ein neues Gepräge. (Lichtenberg, 1785)
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anse
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Bei Waldbrand Tel. 1515

Beiträge: 7656
Geschlecht: male
Re: Baedeker Italien Norden - etwas eigenartig, nicht ganz vollständig
Antwort #2 - 17.02.2014 um 20:16:55
 
Reiseführer und auch die Artikel in den Reiseseiten von Zeitungen und Zeitschriften sind immer mit Vorsicht zu gebrauchen. Denn, die Autoren sind ganz normale Menschen mit Vorlieben und Abneigungen.
Außerdem sind sie in ihrem Gebiet höchst unterschiedlich intensiv unterwegs. Und die Verlage wollen von ihnen auch noch Highlights, die zur Lektüre/ zum Kauf verlocken.
Ist wenigstens meine Erfahrung. Ich habe einige dieser Bücher geschrieben zwischen ganz dick und ganz dünn (Seitenzahl!).
Nehmen wir mal Sizilien. Der Westen zieht mich mehr an als der Osten. ???. Ich mag Kunst und Architektur zwischen 1000 und 1300 unserer Zeit. Und da ist bis auf einige wenige kleine Schätze byzantinischer Baukunst zwischen Messina und Taormina alles von den dort häufigen Erdbeben, Erdrutschen und Überschwemmungen zerstört worden, dazu kamen Kriege. Messina wurde im 2. WK flächendeckend in Schutt und Asche gebombt, der Wiederaufbau verbunden mit staatlichen Förderungen haben die Stadt zu einem Ort gemacht, den man möglichst schnell verlässt.
Però, - in der unmittelbaren Umgebung von ME gibt es Orte, wo einem das Herz aufgeht: die Hügel über der Nordostspitze der Meerenge von ME-RC bei Castanea delle Furie, die Höhenstraße zum Dinnamare mit Blick auf Calabrien, die Meerenge, die Äolischen Inseln, die Nordküste Siziliens und die Berge dahinter, die Ostküste mit dem Ätna.
Ich habe das in einem Reiseführer untergebracht, aber wahrscheinlich fährt dort niemand hin.
Eigentlich für den Reiseführernutzer zwei Buchseiten, die ihn nichts nützen.
Mir gefällt PA (und alles in der Umgebung) weitaus mehr als Taormina und CT.
Taormina muss ich pflichtgemäß in aller Ausführlichkeit und auch umfassend, aktuell vorstellen. Abgesehen davon, dass Taormina wunderschön ist, der Ätna aufregend ….
Aber ich schreibe mehr, deutlich mehr über PA.
Eigentlich nicht richtig.

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